Dampfende und stinkende Naturgewalten
Schaut
man von Petropavlovsk nach Süden, so erkennt man am Horizont die
Rauchsäule des aktiven Vulkans Mutnovsky. Er ist nicht hoch, doch die
ständig aufsteigenden Schwefelschwaden sind bis in die Stadt zu sehen.
Im Krater selbst ist alles in Bewegung: Auf der einen Seite brodelt ein
See mit dampfender Schwefelsäure vor sich hin, gegenüber zischt eine
Rauchsäule aus einem leuchtend gelben Loch in der Erde.
Bergführerlegenden erzählen mit stolzem Augenzwinkern, dass hier das ganze Mendelejev’sche
Periodensystem versammelt ist. Sogar der still wirkende Gletscher im
Kraterinneren ruht nicht. Jedes Jahr verändert er sich, bricht ein,
verschiebt sich, knarrt und donnert.
Ein paar Kilometer außerhalb des eigentlichen Kraters liegt das Tal der Heißen Dämpfe. Üppige Vegetation zeugt von der ständigen Wärme und dem Reichtum an Mineralen rund um die kleinen Geysire. Da und dort sprudelt kochendes Wasser aus der Erde und vermengt sich mit eiskalten Gebirgsbächen. Das angenehm warme Gemisch fließt dann in selbstgezimmerte Wannen, wo man unter freiem Himmel und fern jeglicher Zivilisation stundenlang im Wasser sitzen kann. Dieser Überschuss an Energie bleibt zum größten Teil ungenutzt. Dennoch gibt es Versuche, davon zu profitieren.
Freibad mit Naturheizung
Im Zentrum Kamtschatkas liegt das
kleine Dorf Esso, das zum größten Teil von Evenen bewohnt wird. Mitten
im Dorf gibt es ein großes Schwimmbecken, in dem die Wassertemperatur
das ganze Jahr über etwa 37°C beträgt. Dafür sieht man in Esso nicht
einen einzigen rauchenden Schornstein; das ganze Dorf wird gratis von
der Natur mit heißem Wasser versorgt. Trotzdem sehnt sich die
Bevölkerung manchmal nach Kaltwasser – sogar in der Toilette fließt
heißes Wasser.
