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Rucksäcke

Was machen wir drei Tage lang am Kurilensee?

Bären am Kurilensee, Foto: Liana Varavskaya

Der dreitägige Aufenthalt bei den Bären am Kurilensee ist für viele das Highlight der Kamtschatka-Reise! Meist nach dem Frühstück wird die Gruppe zum Helikopter-Platz gebracht, das Gepäck verladen und dann geht’s los mit der fetten Hummel. Für viele Teilnehmer ist es der erste Helikopter-Flug ihres Lebens. Gleich vorweg: Es wird laut! Mit Ohrenschützern sitzen wir also zwischen Gepäck und Proviant und schauen gespannt aus dem Fenster - wer Glück hat, erwischt ein „Bullauge“, das man öffnen kann. Vulkane ziehen vorbei, Wasserfälle, der Mutnovsky-Pass wird fliegend überwunden, vielleicht entdeckt jemand auch einen Bären.

Badesaison

Unbedingt sollte man die Badehose griffbereit haben, weil ein Zwischenstopp könnte in der Caldera des Vulkans Khodotka sein, wo ein 37° warmer See zum Schwimmen einlädt – und ins Wasser muss man dort; wer draußen bleibt, den fressen die Mosquitos! Auch die Caldera Ksudach ist ein toller Spot für eine Zwischenlandung. Der riesige Kratersee ist zwar kalt, aber im Uferbereich sind heiße Quellen unter dem Sand verborgen.

Schließlich geht es weiter zum Kurilensee, dem nach dem Baikalsee zweittiefsten See Russlands. Entstanden bei einer gewaltigen Eruption vor etwa 8400 Jahren liegt er am südlichen Ende der Halbinsel Kamtschatka, inmitten des Naturparks Süd-Kamtschatka. Dieser ist Teil des als UNESCO-Welterbe ausgezeichneten Kronotsky-Nationalparks.

Von der Wilderei zum sanften Tourismus

Eben diesem Kronotsky-Nationalpark und seiner wunderbaren Leitung verdanken sowohl Bären als auch Menschen, dass hier ein kleines Paradies auf Erden erhalten wird. Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts trieben Wilderer ihr Unwesen und die Bären nahmen Reißaus, wenn sie nur von ferne Menschen wahrnahmen. In den letzten zehn Jahren konnte die Nationalpark-Leitung der Wilderei einen Riegel vorschieben und ein funktionierendes Schutzprogramm aufbauen. Heute ist hier ein friedliches Nebeneinander von Bären und Menschen möglich, das sowohl wissenschaftlichen Mitarbeitern als auch einer sehr streng limitierten Zahl an Touristen die Möglichkeit gibt, die Bären in ihrem natürlichen Umfeld zu beobachten, zu erforschen und zu fotografieren.

Unsere Gruppe ist im „Kordon Travyanoy“ (Grassy Point) untergebracht, dem wohl begehrtesten Spot in der Gegend. Innerhalb eines elektrischen Bärenzauns befindet sich unsere gemütliche Holzhütte mit zwei Mehrbettzimmern, Aufenthaltsraum, Küche, Dusche, WC. Vom Balkon sehen wir bis zur Flussmündung, wo sich die Bären zum Lachsfischen treffen. In weiteren kleinen Hütten sind freiwillige Mitarbeiter und die Ranger untergebracht, die tagsüber unsere Gruppe auf den Bärenpfaden im Naturpark begleiten.

Wir bleiben drei Nächte hier am See und haben ausreichend Zeit, die Bären kennenzulernen und auf ihren Spuren zu wandeln. Ein paar Gehminuten von der Hütte an der Mündung des Flusses Khakytsyn befindet sich eine vergitterte Plattform, von der wir auf zwei Ebenen die Bären beim Lachsfischen beobachten können. Hier sind wir geschützt und können uns entspannt dem Fotografieren widmen, Objektive wechseln, Stative aufbauen oder einfach nur zuschauen und staunen. Wenige Meter vor unseren Augen lauern die Bären auf die Lachse und streiten um die nahrhafte Beute. Mütter mit ihren tollpatschigen Jungen bringen ihren Sprösslingen das Fischen bei. Griesgrämige Einzelgänger knurren jeden an, der in ihre Nähe kommt und die halbwüchsige Bären-Gang hat’s faustdick hinter den Ohren. Dazwischen die Möwen, die auch ihren Teil bekommen wollen, wenn im Sommer die langersehnte Fischparty steigt. Oft kann man von hier 30 Bären oder mehr gleichzeitig sehen. Dieser Ort hat weltweit die höchste Dichte an freilebenden Braunbären!

Wandern auf Bärenpfaden

Doch die Plattform ist nicht alles! Begleitet von den wachsamen Rangern wandern wir auf Bärenpfaden flussaufwärts. In hüfthohen Gummistiefeln queren wir die Flüsse. Hie und da halten wir an, um die Bären zu beobachten und ihnen Zeit zu geben, sich vor uns zurückzuziehen. Das imposante und selbstbewusste Auftreten unserer bewaffneten Begleiter gibt nicht nur uns Sicherheit; es vermittelt auch den Bären, dass sich hier kein Streit lohnt. Die Bären wissen genau, dass der Mensch – zumindest hier – für sie weder Bedrohung ist, noch Nahrungskonkurrent. Ja, nicht einmal als Futter taugt er was! Grund genug für den Bären, uns zu ignorieren. Sollte dennoch mal ein Bär auf unmoralische Gedanken kommen, dann sind die Ranger vorbereitet: Der erste Schuss ist ein Schreckschuss, erst der zweite kann töten – doch soweit ist es hier noch nie gekommen.

Auch eine Bootsfahrt am See ist meist Teil des Programms. Inmitten des Sees liegt die Vogelinsel „Herz des Alaid“, die wir vom Boot aus besonders gut sehen können. Weiter gehts zur Lachszählstation. Dort, wo der Fluss Ozernaya aus dem Kurilensee entspringt und zum Okhotskischen Meer führt, hat das Pazifische Forschungsinstitut für Fischwirtschaft (TINRO) eine Station errichtet, an der gezählt wird, wie viele Lachse seit Beginn der Laichzeit schon im Kurilensee angekommen sind. Basierend auf den Ergebnissen der Zählung werden die Quoten für den kommerziellen Fischfang festgelegt. So soll sichergestellt werden, dass genügend Lachse auch zum Laichen kommen und der Bestand fürs nächste Jahr gesichert ist.

Wenn gerade kein Ranger mit uns unterwegs ist, dann gibt es auch von unser Hütte einiges zu sehen. Manche Bären kommen nahe an den Elektrozaun heran, manche sieht man auch im See schwimmen und nach Lachsen tauchen. Am Balkon gibt es ein Fernrohr, mit dem man bis zur Flussmündung sehen kann.

Nach drei Nächten in der gemütlichen Hütte packen wir am Morgen unser Sachen, ziehen die Betten ab und machen uns reisefertig. Die Ankunftszeit des Helikopters hängt immer vom Wetter ab, doch meistens ist am Vormittag des Abreisetags noch Zeit genug, um zur Aussichtsplattform zu gehen. Wenn im Laufe des Tages der Helikopter die nächste Gruppe bringt, dann ist es Zeit für uns, den Bären „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Neue Abenteuer erwarten uns, die Vulkane wollen bestiegen werden!

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